Kinderhilfsprojekt Galilea in Argentinien

Centro de Prevención de la nutrición infantil heißt auf deutsch "Sozialprojekt Galilea" und ist ein Vorsorgezentrum in einem argentinischen Armenviertel, das mit Familien gegen Unterernährung bei Kleinkindern kämpft. Christiane Rein, Sara Lier und Philipp Röser halfen während ihres Argentinien Auslandsaufenthaltes 2001 beim Aufbau des Projekts und unterstützen es seither von ganzem Herzen.

Wo ist Hilfe notwendig?

Am Rande der Stadt Posadas, der Hauptstadt der verarmten Provinz Misiones in Argentinien, siedelt das Armenviertel „Barrio Gotchalk“. Etwa 300 Menschen leben dort illegal unter elendsten Umständen zusammengepfercht in winzigen Hütten auf einem Land, dessen Grundwasser und Erde verseucht wurden.

Christiane Rein im Barrio

Kaum jemand geht einer geregelten Arbeit nach und kann so für das Überleben seiner Familie sorgen. Aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit in Argentinien und dem niedrigen Bildungsniveau der Menschen im Viertel, schlagen sich die meisten mit schlecht bezahlten Tagelöhnerarbeiten durch oder schicken ihre Kinder auf die Strasse zum Betteln oder aber auch zur Prostitution. Die meisten Erwachsenen ertränken ihre Verzweiflung in Alkohol. Häusliche Gewalt, Angst und Hunger bestimmen den Alltag dieser Menschen, worunter besonders die Kinder leiden.

Warum helfen?

Die meisten der etwa 150 Kinder im Viertel befinden sich in einem bedenklichen Gesundheitszustand.

Aufgrund mangelnder Hygiene und verseuchtem Wasser ist der Magen-Darmtrakt der meisten Kinder von Parasiten und Würmer aufgebläht und verursachen schmerzhafte Krämpfe. Aufgrund der jahrelangen Unterernährung leiden viele Kinder unter Entwicklungsrückständen im kognitiven wie im motorischen Leistungsbereich, was bedeutet, dass diese Kinder viel langsamer Information aufnehmen und verarbeiten können und daher einer speziellen und rücksichtsvollen Förderung bedürfen, um nicht die Schule abzubrechen und damit noch tiefer in das schon bestehende Elend zu rutschen.

Das Viertel, das auf Spanisch „El barrio de los olvidados“ genannt wurde (das Viertel der Vergessenen) schien nicht in der Volkszählung auf, weshalb es für die Bewohner auch keine Sozialhilfe in Form von Lebensmitteln gab. Nur in Wahlzeiten begaben sich Politiker in dieses „verruchte“ Gebiet. Wenige Kinder besuchten die Schule.

Damals startete Sonia Hippler, die heutige Koordinatorin des Projekts, eine spontane Hilfsaktion, indem sie den halbverhungerten Kindern auf dem Boden ein Feuer entfachte und darauf für sie Tee mit Zucker kochte. Durch die Hilfe von unseren Familien und Freunden in Europa und dem Engagement der Menschen im Viertel konnte später eine Kantine für die Kinder errichtet werden und etwas später eine Erste–Hilfe Station.

Seit September 2004 ist die Kantine, die zu einem kleinen Sozialzentrum ausgebaut wurde geschlossen und zu einem Lern – und Kreativraum geworden. Die Idee der Kantine wurde zugunsten der Idee der Selbstversorgung der Familien geändert, um die Verantwortung für die Ernährung der Kinder wieder schrittweise an die Eltern zurückzugeben. Durch diese aktive Zusammenarbeit wächst für die Menschen nicht nur die Eigenverantwortung, sondern auch das eigene Selbstwertgefühl, wieder eigenständig etwas verändern zu können – ein sehr wichtiger Aspekt dieser Arbeit. 

Entwicklung des Projekts

Das Sozialprojekt Galilea, das von der Organisation Eslabones Solidarios – Solidarische Kettenglieder getragen wird, versucht diesen Kindern mit einem integralen Hilfsprogramm den Schritt aus dem Teufelskreis der Armut zu ermöglichen. Dabei wird mit der ganzen Familie zusammengearbeitet, um auch das Umfeld der Kinder verändern zu können. Die Zusammenarbeit mit der Familie basiert auf dem Prinzip des Gebens und Nehmens, da die Menschen aus eigenem Antrieb heraus ihre missliche Situation verändern müssen, was durch bloßes Beschenken in Form von Spenden niemals erreicht werden kann.

Wie funktioniert die Hilfe?

Das Hauptanliegen des Projekts ist die Unterernährung der Kinder zu bekämpfen – denn nur ein gesundes Kind hat die Möglichkeit zu einer gesunden Entwicklung – im körperlichen, wie im geistigen Bereich, wo schlussendlich Bewusstseinsbildung greifen kann.

Das Projekt arbeitet momentan mit 12 Familien, in denen 49 Kinder sind. Aufgrund mangelnder finanzieller Mittel können derzeit nicht mehr Familien aufgenommen werden. Diese Familien erhalten regelmäßig Grundnahrungsmittelrationen, die auf die individuellen Bedürfnisse der jeweiligen Personen (vor allem die der unterernährten Kinder) abgestimmt sind.

Ein Team aus Spezialisten (Ernährungswissenschaftlerin, Sozialarbeiterin, Psychologin, Ärztin, Logopädin, Lehrerin) betreut die Kinder und schult die Erwachsenen in Lesen, Schreiben und Rechnen, sowie in lebenspraktischen Dingen (Koch- und Backkurse aus einfachen Zutaten, Ackerbau, Nähen, Hygiene).

Weiter Arbeitsziele

- Verbesserung der Hygiene durch die Sanierung der Häuser und Trinkwasseraufbereitung, sowie Umweltschutz.

- Verbesserung der Infrastruktur (Ackerbau, Beschäftigungsmöglichkeiten wie z.B. in einer eigenen kleinen Schreinerei oder auch einer eigenen kleinen Schule).

Besonderen Wert wird auf Bewusstseinsbildung gelegt, die entweder regelmäßig in Gruppengesprächen mit den Müttern stattfinden (Verhütungsfragen, häusliche Gewalt, Weiterbildung), wie aber auch mit den Ehepaaren selbst in Einzelgesprächen.

Die Kinder werden regelmäßig von unserer Ärztin untersucht und gewogen, um sicher zu gehen dass die Lebensmittel tatsächlich für die Kinder verwendet werden und nicht etwa gegen Alkohol eingetauscht werden.

Alle Familien, die im Projekt miteingebunden sind, haben sich verpflichten müssen, regelmäßig an den Kursen teilzunehmen und aktiv mitzuarbeiten. Dazu gehört auch, dass sie ihre Kinder regelmäßig in die Schule statt auf die Straße schicken und sie am Förderunterricht, der vom Projekt angeboten wird, teilnehmen lassen.

Wie kann man uns helfen, damit wir helfen können?

Kontonummer: Raiba Lech/Österreich – 87.643 – BLZ: 37449

Die Spenden, mit denen die erwähnten Bildungsprojekte, wie auch das Personal geringfügig bezahlt werden, werden größtenteils noch von uns Dreien durch Vorträge und Schulprojekte gesammelt. Durch Kleiderverkauf, Losverkauf und vielen kleinen innovativen Aktionen, sowie Öffentlichkeitsarbeit in TV und Radio versucht das Projekt nach und nach auf eigenen Beinen zu stehen – was langfristig natürlich erreicht werden muss und kann.

 MUCHAS GRACIAS!